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Chorausflug: “Berlin ist eine Reise wert”

Dieses Schlagwort war das Motto der diesjährigen Mehrtagesfahrt des Kirchenchors Lachen-Speyerdorf. Gerdi Roth berichtet über die Fahrt vom 3. bis 6. Juni 2010 in die Bundeshauptstadt, wo die Chormitglieder viel gesehen und erlebt haben.

Donnerstag, 3. Juni Um 5 Uhr war Abfahrt mit dem Bus in Lachen und bei sonnigem Reisewetter gelangten wir kurz vor 12 Uhr zum ehemaligen Grenzübergang zur DDR. Wir haben uns Zeit genommen, um uns auf dem Gelände umzusehen und uns von einem Fremdenführer das menschenverachtende Grenzüber- wachungssystem der ehemaligen “Stasi” erklären zu lassen. Es ist erschütternd zu erfahren, mit welchen ausgeklügelten Methoden man soge- nannte Republikflüchtlinge überwacht und “überführt” hat. Gegen 17 Uhr erreichen wir die Peripherie von Berlin und fahren durch den Grunewald in Richtung Innenstadt. Neben der Straße gibt es Radwege, die von den Berlinern gerne genutzt werden. Bald erreichen wir das Hotel “Park Inn”, höchstes Hotel in Berlin, in dem wir während unserer Berliner Tage wohnen werden. Nach dem Abendessen in einem nahen Lokal klingt der Tag aus.

Freitag, 4. Juni Ab 9 Uhr erkunden wir per Bus mit einer Stadtführerin die Bundes- hauptstadt. Berlin ist mit 3,5 Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt Europas und ihre Fläche hat die Größe des Ruhrgebiets. Bei einem Rest der berühmt-berüchtigten “Berliner Mauer” lesen wir auf den Beton geschrieben Beiträge vieler Besucher aus aller Herren Länder. Unter anderem: “Wir gratulieren” (zur Wiedervereinigung) und “Wir wundern sich”. Im Vorbei- fahren sehen wir das erste Rathaus von Berlin, in dem der Regierende Bürgermeister residiert. Unterwegs werden wir auf einen Wohngebäudekomplex aufmerksam gemacht, die Hackeschen Höfe, der mit acht Hinterhöfen aus der Zeit stammt, in der Zille das “Berliner Milljöh” beschrieben und illustriert hat. Wir sehen in Kreuzberg den höchsten Berg Berlins, den 114 Meter hohen “Trümmerberg”. Dann sind wir an der Grenze zu – ehemals – Ostberlin, sehen die zugemauerten Fenster der Häuser an der Bernauer Straße und den Todesstreifen. Es ist erschütternd zu hören, welches Elend und welche Not das Honecker- regieme den Menschen in Ost- und Westberlin gebracht hat. Und weiter geht unsere Sightseeing-Fahrt. Von unserer Stadtführerin hören wir, dass in DDR-Zeit eines Tages am Denkmal Friedrichs des Großen (zu Pferd) ein Schild angebracht war mit der Aufschrift: “Lieber Fritze steig hernieder und regiere du uns wieder. Lass in diesen schweren Zeiten lieber unsern Erich reiten”. “Tausche Traumreise in die Sowjetunion gegen Trampelpfad in den Westen”, so stand es auch damals in der Anzeige einer Ostzeitung. Und weiter geht unserer Sightseeing- Tour. Wir sind jetzt “Unter den Linden”, wo die teuren Geschäfte in der oberen Etage etabliert sind (zum Beispiel “Galerie Lafayette”). Die Friedrichstraße ist die Hauptein- kaufsstraße der Stadt. Am Gendarmen- markt sehen wir den “Französischen” und den “Deutschen Dom”. Im 17. Jahr- hundert war jeder vierte Einwohner in Berlin Franzose. Es waren Hugenotten, die um ihres Glaubens willen aus Frankreich geflohen waren und in Preußen Aufnahme gefunden hatten. Hier bauten sie ihre Kirche, den “Französischen Dom”. In Berlin leben 9 Prozent Katholiken. 60 Prozent gehören keiner Religion an. In der Mohrenstraße sehen wir den schönsten U-Bahnhof der Stadt. Er ist mit Mar- mor ausgekleidet. Nun sind wir auf der Wilhelmstraße. Hier fanden in der Hitlerzeit die Aufmärsche statt. Danach sehen wir die Gedenkstätte für die ermordeten Juden, den Platz mit den unterschiedlich hohen Stelen. Später erreichen wir das Bundeskanz- leramt. Es ist 500 Meter lang und hat eine Hubschrauberlandeplatz. Der Bauherr war Kanzler Kohl. Im Volks- mund heißt das Gebäude “Kohlosseum”. Um 15 Uhr finden wir uns zu einer Spreefahrt an der Anlegestelle ein. Unterwegs sehen wir unter anderem das Regierungsviertel aus einer anderen Perspektive und wundern uns über die Größe und Weiträumigkeit mancher Glaspaläste und denken dabeiauch an die vielen Schulden unserer Republik.

Samstag, 5. Juni Um 9 Uhr sind wir abfahrbereit. Unser heutiges Ziel ist Potsdam, die Haupt- stadt von Brandenburg und der Park beim Schloss Sanssouci. Eine Stadt- führerin ist mit uns im Bus und erklärt uns die Sehenswürdigkeiten. Zu Fuß erkunden wir das Holländische Viertel. Dies ist zur Zeit des Soldatenkönigs entstanden. Er hat Bauhandwerker aus Holland nach Berlin gerufen. Hier haben sie ihre Häuser im holländischen Stil gebaut und sich damit ein Stück ihrer alten Heimat erhalten. In einem nahe gelegenen Hofgut haben wir Gelegenheit zum Mittagessen und werden dabei von exerzierenden Sol- daten in den Uniformen des Soldaten- königs unterhalten. Anschließend machen wir unter sachkundiger Führung einen langen Rundgang durch die ausgedehnten Parkanlagen beim Schloss Sanssouci. Auf der Heimfahrt kommen wir am Luftbrückendenkmal vorbei, von den Berlinern “Hunger- harke” genannt. Für den Abend war der Besuch einer “Kunstveranstaltung” angesagt. Wir waren überrascht und erfreut, die “Stachelschweine” live zu erleben.

Sonntag, 6. Juni Gerne hätten wir noch mehr Berliner Sehenswürdigkeiten kennengelernt. Aber heute ist um 9 Uhr Abreise in Richtung Heimat. Dabei machen wir Bekanntschaft mit dem Harz und sehen nach Halberstadt in der Ferne den Brocken. In Wernigerode, der Partnerstadt von Neustadt, machen wir eine dreistündige Pause. Mit einer ratternden und schaukelnden Kleinbahn fahren wir über den Schlossberg in die Innenstadt. Dort haben wir Gelegenheit, das berühmte Rathaus zu sehen und auch etwas zu essen. Um 15.30 Uhr rollen wieder die Räder. Auf der Autobahn kommen wir nur langsam voran, viele Kurzurlauber sind unterwegs. Trotz allem sind wir um 23 Uhr wieder in der Heimat. Dirk und seine Kollegin haben uns sicher durch die Unbilden von Wetter und dichtem Verkehr kutschiert. Wir bedanken uns bei ihnen und bei Karsten für die gute Organisation.

Gerdi Roth