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David in Bolivien – “Ein Euro ist hier enorm viel Geld”

David Waschkowski (21) aus Lachen-Speyerdorf absolviert ein freiwilliges soziales Jahr in Bolivien.

Wir zitieren aus seiner EMail vom 13. Dezember 2010:

“Am 14. September bin ich in Bolivien gelandet. Zuerst hatte ich einen 3-wöchigen Sprachkurs in Sucre, bevor ich 2 1/2 Monate nach Camiri ging. Seit vorgestern befinde ich mich wieder in Sucre,

wo alle Freiwilligen zusammen Weinachten und Silvester feiern werden.

Anfang Januar beginnt ein 2- monatiger DELE-Sprachkurs für mich (jeder Freiwillige hier hat die Möglichkeit diesen zu machen). In dieser Zeit werde ich mir eine eigene Einsatzstelle hier in Sucre suchen.

Danach geht es höchstwahrscheinlich für einen Monat auf die Isla del Sol beim Titicacasee in der Nähe von La Paz und anschließend werde ich für drei Monate in einem kleinen Dorf als Lehrer arbeiten.”

In einem Internet-Blog schildert David seine Eindrücke aus den ersten drei Monaten, wo er unter anderem in einem Dorf bei Camiri im Süden Boliviens eingesetzt war. Felder bestellen für Zuckerrohranbau, Kälbchen zur Welt bringen, Schweine schlachten, deren Fleisch zugunsten eines Kinderheims in Camiri verkauft wird, Zäunebauen usw. waren erste Tätigkeiten. Außerdem arbeitete David in einem Tourismusbüro, fand aber, dass die damit verbundenen Aufgaben besser von einem Einheimischen verrichtet würden, der damit Geld verdienen könnte, während er selbst lieber Englisch, Mathe oder Erdkunde unterrichten würde, ein Wunsch, der im Februar in Erfüllung geht.

Nachstehend Auszüge aus seinem Blog vom 12. Dezember:

“Auf den Ausflügen durch die verschiedenen Dörfer wurde ich auch erstmal auf die extreme Armut hier in Bolivien aufmerksam. Ein Dorf darf man sich auch nicht so vorstellen wie in Deutschland. hier sieht das (zumindest in der Umgebung von Camiri) so aus, dass eine Straße durch den Wald führt bzw. ein Feldweg, und alle paar Hundert Meter ein Haus steht. 20 bis 30 Häuser ergeben dann ein Dorf . Bemerkenswert ist, dass jedes Dorf aufgrund der Politik von Evo Moralez, eine eigene Schule besitzt. (…) Viele Häuser bestehen nur aus Holz und oben drauf liegt Wellblech als Dach. Fließend Wasser und Strom besitzen auch nur einige Häuser und die Schule. Die Größe des Hauses darf man sich dann in etwa so vorstellen wie ein übergroßes Gartenhaus in Deutschland. Jede Familie hat dann ein paar eigene Kühe und baut Gemüse an.”

David hatte außerdem Gelegenheit zu Ausflügen in die Gegend zusammen mit den anderen Freiwilligen, zum Beispiel an einen Stausee oder über die Grenze nach Argentinien. Santa Cruz stand auch auf dem Programm – “…. die Stadt ist im Vergleich zu dem restlichen Bolivien etwas völlig anderes (…), europäisch geprägt. Deshalb ist es auch möglich hier Sprudel zu kaufen, den es sonst eigentlich überhaupt nicht zu kaufen gibt.”

Sonstige Erkenntnisse (in Auszügen):

– Ich habe zum ersten Mal im Leben einen Kolibri gesehen

– 3 junge Männer haben versucht mich und eine Freiwillige nachts auf dem Weg nach Hause von einer Fiesta zu überfallen, es ist zum Glück aber nichts passiert

– Ich fühle mich hier in Bolivien immer wohler

– “Tiger Balm” hilft, wenn auch nur kurzfristig, super gegen Mückenstiche (Danke an Geisendörfers!)

– 1 Euro ist hier verdammt viel Geld

– Man kann auch noch mit 85 Jahren Bäume fällen und über Zäune klettern

– Die Wörter “Pause” und “langsam” sind wichtiger Bestandteil des Lebens hier

– Wir haben in Deutschland zu viele Regeln und Vorschriften, in so ziemlich allen Bereichen.”

Für den Gemeindebrief hat David am 2. Februar seine neuesten Eindrücke geschildert:

“Ich befinde mich momentan noch in Sucre, gehe aber am 4. Februar in meine nächste Einsatzstelle auf die Sonneninsel im Titicacasee, um dort in einem Dorf mit 400 Einwohnern Englisch und Mathematik zu unterrichten. Bis jetzt habe ich meinen Spanischkurs absolviert und etwa zwei- bis dreimal die Woche eine Freiwillige in einem Kinderheim unterstützt. Ich habe viel mit den Kindern gesprochen, gespielt und auch Unterricht gegeben. Sie waren sehr an meinem Leben in Deutschland interessiert und haben mich über so ziemlich alles ausgefragt. Das Beeindruckendste für mich war, als ich eine Weltkarte mitgebracht habe und ihnen erklärte, wo eigentlich Bolivien liegt, dass es eigentlich noch ganz viele andere Länder und Menschen auf der Welt gibt. Da die Schulbildung hier leider sehr schlecht ist, wusste ein Großteil nicht, dass es noch andere Kontinente gibt usw. – Insgesamt hat mir die Arbeit viel Spaß gemacht, aber es ist auch traurig, wenn man mitbekommt, dass viele dieser Kinder einfach von ihren Eltern ausgesetzt wurden und im Kinderheim gelandet sind. Trotzdem zeigen sie beim Spielen und Lernen eine unglaubliche Lebensfreude.

An Weihnachten gab es zuerst für alle Freiwilligen ein schönes Abendessen im Hostel und einige von uns gingen dann zur Mitternachtsmessen in hier in Sucre. Wir kamen leider nicht früh genug und haben nur einen Stehplatz ganz hinten in der Kirche bekommen. Ein interessanter Brauch war, dass jede Familie eine Jesusfigur mit in die Kirche nahm, die dann am Ende des Gottesdienstes gesegnet wurde. In der Kirche gab es auch eine sehr schöne Krippe, die von den Gottesdienstbesuchern bestaunt wurde. Mit einer Familie unterhielt ich mich über die Bräuche in Bolivien. Nikolaus wird nicht gefeiert, es gibt auch keinen Adventskranz. An Heiligabend gibt es ein großes Familienfest, gegen Abend werden dann alle Geschenke an die hauseigene Krippe gestellt, aber erst am 25. Dezember morgens geöffnet. Ich kann allerdings nicht sagen, ob das repräsentativ für alle bolivianischen Familien steht.

Silvester habe ich mit einigen bolivianischen Freunden auf der Plaza, so was wie ein Marktplatz, verbracht. Dort war eine große Bühne aufgebaut, teilweise gab es Livemusik, es waren viele Cholitas da (sehr ursprüngliche indigene Frauen, die immer einen Hut und einen sehr langen Rock tragen), die Getränke und Essen an kleinen Ständen verkauft haben, und natürlich viele Einwohner von Sucre. Gegen Mitternacht gab es dann ein großes Feuerwerk.

Liebe Grüße, David Waschkowski”

Wir sind gespannt auf Davids nächsten Bericht über die Arbeit auf der Isla del Sol im Titicacasee und wünschen ihm weiterhin gute Erfahrungen!

Lieselotte Sunder-Plaßmann

Lesen Sie David Waschkowskis Blog im Internet: http://davidinbolivien.pnex.de